Studierende berichten von ihren Erfahrungen im Ausland

 Sara Fashwal studiert im Kompetenzfeld Innenarchitektur und absolvierte ein Auslandssemester in Eskisehir, Türkei, an der Eskisehir technical University

Eckdaten

Name
Sara Fashwal

Kompetenzfeld
Innenarchitektur 

Ort
Eskisehir, Türkei

Partnerhochschule
Eskisehir Technical University

Was war Ihre Motivation für das Auslandssemester?

Meine Motivation für das Auslandssemester basierte auf einer Mischung aus persönlichen und akademischen Interessen. Da ich fließend Türkisch spreche, war es mir ein großes Anliegen, diese Sprachkenntnisse in einem akademischen und beruflichen Umfeld anzuwenden und zu vertiefen. Zudem reizte es mich sehr, tiefer in die türkische Kultur einzutauchen. Aus fachlicher Sicht wollte ich unbedingt neue Perspektiven im Bereich der Innenarchitektur kennenlernen. Denn jedes Land hat seine eigene Designphilosophie, Ästhetik und Tradition. Das Auslandssemester bot mir die perfekte Gelegenheit, die Lernmethoden eines anderen Landes kennenzulernen, meinen kreativen Horizont zu erweitern und zu erfahren, wie Designprozesse dort ablaufen.

Wo und wie haben Sie in Ihrem Auslandsemester gelebt?

Nach einigen anfänglichen Herausforderungen habe ich letztendlich in einer Wohngemeinschaft in Eskişehir gelebt. Mein Start gestaltete sich recht schwierig: Zunächst hatte ich über Instagram ein Zimmer in einem Wohnheim für Mädchen organisiert, das bei meiner Ankunft jedoch überhaupt nicht den Bildern entsprach. Eine spontan gesuchte Alternative, ebenfalls ein Wohnheim für Studentinnen, war leider sehr teuer und stellte mich vor bürokratische Probleme. Da das Wohnheim nicht bei der Ausländerbehörde registriert war, konnte ich meine Aufenthaltserlaubnis nicht dort beantragen. Glücklicherweise habe ich dann eine WG gefunden, in der alles reibungslos funktionierte und in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Im Nachhinein war das Leben in der WG die beste Lösung, um direkt mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und den Alltag in Eskişehir authentisch mitzuerleben.

Wie war die Universität und welche Kurse haben Sie belegt?

Die Universität in Eskişehir bietet eine aktive Campus-Atmosphäre und eine riesige Auswahl an Modulen. Das war anfangs allerdings auch eine kleine Herausforderung. Die Modul-Listen waren nicht sofort transparent strukturiert, sodass es schwer war zu erkennen, welche Kurse für mein Niveau am besten geeignet waren. Nach meiner Ankunft blieb nur sehr wenig Zeit für Änderungen und ich musste tatsächlich noch ein Modul wechseln, da es sich nachträglich als Kurs aus einem Promotionsprogramm herausstellte. Eine vorherige Beratung ist also unbedingt empfehlenswert.

Fachlich habe ich mich auf Kurse im Bereich der Innenarchitektur konzentriert. Da ich fließend Türkisch spreche, konnte ich den Vorlesungen problemlos folgen. Ein großer Pluspunkt der Universität war die enorme Hilfsbereitschaft: Sowohl die Dozierenden als auch die Studierenden sprachen sehr gut Englisch und erklärten bei Bedarf wichtige Inhalte auf Englisch. Ich habe mich mit meinen Kommiliton:innen unglaublich gut verstanden. Sie haben mich von Anfang an fachlich wie persönlich großartig unterstützt und beraten.

Inwiefern konnten Sie neue Erfahrungen sammeln und sich weiterentwickeln?

In akademischer Hinsicht konnte ich während meines Auslandssemesters einen riesigen Entwicklungsschritt machen. Ein absolutes Highlight war, dass wir einen wissenschaftlichen Artikel (Makale) verfasst haben. Dabei habe ich den gesamten Prozess von Grund auf gelernt: von der strukturellen Planung über die einzelnen methodischen Schritte des wissenschaftlichen Schreibens bis hin zu den Kriterien, die für eine spätere Veröffentlichung notwendig sind. Diese Erfahrung hat meine akademischen Fähigkeiten im Bereich der Innenarchitektur enorm vertieft.

Was war das absolute Highlight, fachlich oder auch kulturell?

  • Fachliches Highlight: Das Schreiben und Strukturieren eines wissenschaftlichen Artikels (Makale). Den gesamten Prozess von der ersten Struktur bis zur potenziellen Veröffentlichung kennenzulernen, war ein riesiger akademischer Gewinn.  
  • Kulturelles und studentisches Highlight: Das pulsierende Leben in Eskişehir, insbesondere die ausgeprägte Café-Kultur, das berühmte Nachtleben inmitten der Stadt und das hervorragende Essen.
  • Reisen und Erlebnisse: Die perfekte Lage der Stadt, um dank der Schnellzug-Anbindung unkomplizierte Kurztrips nach Istanbul, Ankara, Bursa, Sapanca oder Konya etc.  zu unternehmen.  
  • Zwischenmenschliches Highlight: Die enorme Gastfreundschaft der Menschen vor Ort und die tiefen Freundschaften, die ich in kürzester Zeit mit meinen Kommilitonen schließen konnte.

Was stellte die größte Herausforderung dar?

  • Falsche Versprechungen bei der ersten Unterkunft 
  • Bürokratie rund um die Aufenthaltserlaubnis 
  • Das hilfsbereite Erasmus-Team leider erst nach der Ankunft kennengelernt 

Ihre Tipps für zukünftige Outgoings?

Für einen entspannten Start solltet ihr euch unbedingt schon vor der Abreise mit dem lokalen Erasmus-Team der Gasthochschule vernetzen. Sie sind extrem hilfsbereit und können euch sowohl bei der oft unübersichtlichen Modulauswahl als auch bei der Wohnungssuche unterstützen. Bei Unterkünften solltet ihr besonders vorsichtig sein: Verlasst euch nicht blind auf Bilder bei Social Media und lasst euch vorab schriftlich bestätigen, dass das Wohnheim oder die Wohnung bei der Ausländerbehörde registriert ist – sonst könnt ihr eure Aufenthaltserlaubnis (Ikamet) nicht beantragen. Da der Winter in Eskişehir sehr kalt werden kann, empfehle ich für schönes Wetter eher das Sommersemester. Habt vor Ort absolut keine Scheu, die einheimischen Studierenden und Dozenten einfach anzusprechen; alle sind unglaublich gastfreundlich und helfen bei Bedarf auch sofort auf Englisch weiter. Nutzt zudem die unschlagbare Schnellzug-Anbindung der Stadt, um an den Wochenenden unkomplizierte Kurztrips nach Istanbul oder Ankara zu machen!