HAWK-Expertin Roksana Jachim zeigt ab 30. Juni ihre Fachkompetenz

Erscheinungsdatum: 15.06.2026

Roksana Jachim nimmt sich ab Sommer dem Trinitatisaltar im RPM Museum Hildesheim an. Die auf spätmittelalterliche Flügelaltäre spezialisierte Restauratorin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/ Holzminden/Göttingen verfügt über umfassende Erfahrung in der Sicherung sensibler historischer Farbfassungen. Das Besondere dabei: die Öffentlichkeit kann ihr immer dienstags über die Schulter schauen und Fragen rund um das Objekt stellen.

Ab dem 30. Juni 2026 ist diese Restaurierung einmal pro Woche, immer dienstags von 16 bis 17 Uhr, im Rahmen des normalen Museumsbesuchs im 2. Obergeschoss des RPM öffentlich zugänglich. Besuchende erhalten bis voraussichtlich Ende des Jahres die Möglichkeit, die Fortschritte vor Ort mitzuerleben und Einblicke in restauratorische und wissenschaftliche Entscheidungsprozesse zu gewinnen.


Das Objekt und seine Geschichte
Das Retabel aus dem ehemaligen Trinitatisspital in Hildesheim zählt zu den bedeutendsten Werken der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Niedersachsen. Mit seiner qualitätvollen Schnitzkunst und der vielschichtigen historischen Fassung ist es ein herausragendes Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeits- und Bildkultur der Region.
Viele Standortwechsel in der Geschichte des Trinitatisaltars und frühere Eingriffe haben das Kunstwerk in einen empfindlichen Zustand versetzt. Schäden durch ungünstige Lagerbedingungen sowie Spannungen im Material, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben, machen nun eine sorgfältige und kontinuierliche konservatorische Betreuung erforderlich, so die Experten.
Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Heritage Resilience Analysis (HeRA)“ befasst sich Roksana Jachim gemeinsam mit ihren Kolleg*innen an der HAWK mit der Widerstandsfähigkeit und nachhaltigen Sicherung von Kulturerbe unter sich wandelnden Umwelt- und Erhaltungsbedingungen. Dabei verbindet sie materialwissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit konservatorischer Praxis und interdisziplinärer Forschung.

„Diese enge Verzahnung von Analyse, Prävention und restauratorischer Erfahrung qualifiziert Frau Jachim in besonderer Weise für die anspruchsvollen Arbeiten an dem Retabel“, sagt die Direktorin des RPM Museum Hildesheim Dr. habil. Lara Weiss. Die Museumsleitung hat sich daher entschieden, dem besonderen Objekt eine erneute konservatorische Betreuung zu ermöglichen und es perspektivisch in einen Bereich des Museums zu integrieren, der eine noch besser kontrollierbare Umgebung bietet und zugleich eine intensivere öffentliche Wahrnehmung erlaubt. Mit der geplanten Maßnahme, die Restaurierung als öffentliche Schaurestaurierung durchzuführen, setzt das RPM ein bewusstes Zeichen für die nachhaltige Sicherung des Kulturguts, seine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung und größtmögliche Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Zugleich erhalten Besuchende die seltene Gelegenheit, konservatorische Arbeit unmittelbar mitzuerleben und Einblicke in die komplexen Prozesse hinter dem Erhalt historischer Kunstwerke zu gewinnen.
„Beim Trinitatisaltar bewegen wir uns in einem Gefüge aus komplexen inneren Spannungen und bewusst hergestellten Sollbruchstellen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwahrscheinlich, dass erneut konsolidierende Maßnahmen notwendig werden. Ziel ist es, diese Prozesse frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll zu begleiten“, bewertet Roksana Jachim ihre Aufgabe.


Einbindung in das Forschungsprojekt HeRA und langfristiges Monitoring
Die Restaurierung wird wissenschaftlich im Rahmen des Forschungsprojekts HeRA – Heritage Resilience Analysis – an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst begleitet. Gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) zielt das Projekt auf die Entwicklung eines KI-gestützten Monitorings mittels Terahertz-Zeitbereichsspektroskopie (THz-TDS) ab, einer zerstörungs- und berührungsfreien spektroskopischen Analysemethode, mit der innere Strukturen und Materialablösungen bildgebend sichtbar gemacht werden können. Der Trinitatisaltar wurde bereits in einem früheren HAWK-Projekt mit dieser Technik untersucht. Die aktuellen Messungen im Rahmen von HeRA ermöglichen nun durch die Nutzung eines neu entwickelten THz-Handheldsystems frühere und neue Daten systematisch zu vergleichen. Dr. Kirsti Krügener, Projektleiterin von HeRA, erklärt: „Die Terahertz-Untersuchungen machen minimale strukturelle Veränderungen sichtbar und erlauben ihre Beobachtung über längere Zeiträume. Der Trinitatisaltar eignet sich aufgrund seiner komplexen Materialgeschichte ideal für dieses wissenschaftliche Monitoring“.
 

Die Schaurestaurierung des Trinitatisaltars findet ab 30. Juni 2026 immer dienstags von 16 bis 17 Uhr im 2. Obergeschoss des Neubaus des RPM Museum Hildesheim statt.
Es gilt der reguläre Museumseintritt.